Des Spuk vom Oberhof

Der Altbauer vom Oberhof war verstorben. Erst einige Tage war er begraben, als es zur mitternächtlichen Stunde an der Haustür pochte. Der Bauer ging nach sehen. Sowie er die Haustüre öffnete, war alles still. Auch weit herum war niemand zu sehen. Beim Frühstück erzählten die Knechte, ihre Nachtruhe im Stall sei arg gestört worden. Um Mitternacht hätte jemand an die Stalltüre   geschlagen, doch als der Altknecht Nachschau gehalten habe, wäre niemand zu sehen gewesen.

Nacht für Nacht wiedeholte sich das Gepolter und weder Beten noch Räuchern half. Schließlich bat der Oberhofer den Pernitzer Pfarrer er möge doch Haus und Stall segnen, damit der Spuk ein Ende nähme. Der Pfarrer war keineswegs begeistert, er erinnerte sich noch n den spät in der Nacht erfolgten Versehgang beim Tod des alten Oberhofer. Ein weiter Weg war es gewesen und er war gar nicht recht bei Appetit gewesen, als man ihm zu später Stunde auftischte. Erst als sich der Bauer vom Oberhof erbot, den Pfarrherrn mit einem Pferdegespann zu führen, willigte er ein. Doch auch das Segnen des Pfarrers half nicht. Pünktlich um Mitternacht hörte man an der Haustür lautes Klopfen, stets war niemand zu sehen. In seiner Not ging der Bauer zum Grundnachbarn, dem Bauer von Mariental. Der „Marientaler“ , so nannte man ihn allseits, hatte den Ruf mit finsteren Mächten in Verbindung zu stehen, er galt als Hexenmeister.

Nach der Bitte um Hilfe kam er auf den Oberhof, doch auch seine Sprüche blieben ohne Erfolg. Am Oberhof stand man dem Geschehen hilflos gegenüber, Verzweiflung machte sich breit. Mägde und Knechte waren schon übereingekommen, zu Lichtmess zu kündigen, um auf einem ruhigerem, weniger gespenstischen Hof Arbeit zu finden.

Es war Sonntagabend als der Oberhofknecht Lipp beim Kartenspielen zu lange im Wirtshaus sitzen blieb. Er hatte auch einige Gläser Wein getrunken, bevor er sich, schon gegen Mitternacht, leicht schwankend auf den Heimweg machte. In seinen Gedanken vertieft hörte er plötzlich jemanden rufen. Er blieb stehen und lauschte. In seinem Zustand dauerte es eine Weile bis er die Rufe auch verstand. „ I trog an Roansta. Wo soll ih’n denn hintoa. „ Immer wieder aufs Neue erschallte der Ruf. Da rief der Lipp zurück: „ Stell’n hin, wo‘ st ihn gnumma host“. Mit einem Mal war es Still. Und am Oberhof wunderte man sich, dass der Spuk nun ein Ende genommen hatte. Offensichtlich hatte der alte Oberhofer einmal einen Grenzstein versetzt und deshalb keine Ruhe gefunden.



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